Kornelia Thiemann

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Welke Akademie – Zielführend.

Frauen in Führungspositionen – Jobsharing statt Frauenquote?

Frauenquote, Jobsharing

Es ist beschlossen: Die Frauenquote wird kommen. Am 11. Dezember wird das Bundeskabinett das Regelwerk zur Einführung einer gesetzlichen Frauenquote verabschieden. Dieses sieht eine Quotenvorgabe von 30 Prozent für Aufsichtsräte hierzulande vor. Ab 2016 sollen bei Aufsichtsratswahlen mindestens 30 Prozent der Mandate an Frauen gehen. Gelingt dies nicht, sollen die Mandate nicht mit Männern besetzt werden, sondern leer bleiben. Eine in der Wirtschaftswoche veröffentlichte Studie zeigt, wie es derzeit um Aufsichtsrätinnen in DAX-Konzernen bestellt ist und welche Konzerne wie viel Nachholbedarf haben.

Das Thema Frauenquote wird in der westlichen Welt kontrovers diskutiert. In Norwegen, wo es die Quote – übrigens von 40 Prozent – schon lange gibt, sind die Vorgaben mittlerweile übererfüllt. Frankreich, Spanien, die Niederlande, Belgien und Italien haben Quoten verabschiedet. Während man in Norwegen gute Erfahrungen gemacht hat und dort nun auch in der Breite deutlich mehr Managerinnen tätig sind, hat man beispielsweise beim niederländischen Kommunikationsriesen KPN das Projekt „Frauen in Führungspositionen“ jetzt gestoppt, weil die Bevorzugung von Frauen zu Lasten qualifizierter Männer mit Migrationshintergrund gehe. Diesen Vorgang hat Headhunter Heiner Thorborg für das Manager Magazin in seinem Beitrag Das Frauen-Drama der KPN sehr differenziert beleuchtet.

Eine solche Entscheidung ist nachvollziehbar, löst aber nicht die Probleme von Frauen, die Kinder haben wollen und trotzdem Karriere machen möchten. Denn die Mutterschaft ist nach wie vor der größte Hemmschuh für weibliche Karrieren. Ganz ohne staatliche Verordnung macht sich langsam eine Bewegung breit, die das Dilemma auflösen kann: Sie heißt „Karriere in Teilzeit“ oder „Job Sharing“. Die Idee dahinter ist, dass sich zwei Menschen eine Führungsstelle teilen. Dies bietet besonders gut ausgebildeten Müttern eine gute Möglichkeit, Karriere und Familie zu vereinbaren.

Die Idee des Jobsharing stammt aus den U.S.A., wo sie bereits seit den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts praktiziert wird. In zahlreichen anderen Ländern bereits etabliert, steckt sie hierzulande aber noch in den Kinderschuhen. Immerhin stehen laut einer Befragung 80 Prozent der hiesigen Unternehmen dem Thema positiv und offen gegenüber. Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln hat herausgefunden, dass es in jedem fünften deutschen Unternehmen Jobsharing-Modelle gibt.

Unterstützung erhalten Bewerberinnen wie auch Unternehmen beispielsweise auf der Jobsharing-Plattform Tandememploy, die seit dem Frühjahr 2014 online ist. Hier suchen Unternehmen wie die Barmenia Versicherung oder Outfittery nach Kandidatinnen für eine Stelle im Doppelpack. Andere Plattformen wie Flexible Jobs für qualifizierte Frauen, Career-Women oder Leading Women bietet ähnliche Services für Bewerberinnen und Unternehmen.

Der Argumentation von Heiner Thorborg folgend, könnte es irgendwann so weit kommen, dass die Plattformen um männliche Bewerber erweitert werden müssen – damit auch Väter in Zukunft Karriere und Familie unter einen Hut bringen können.

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